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Wie aus einer Idee ein lebendiger Charakter wird

TaleTamer Redaktion 3 Min. Lesezeit

Wie aus einer Idee ein lebendiger Charakter wird
Ein guter Charakter besteht nicht aus Haarfarbe, Alter und Lieblingsessen. Er entsteht dort, wo Widersprüche, Wünsche und Ängste aufeinandertreffen.
Wenn du eine Figur für deine Geschichte entwickelst, solltest du deshalb nicht nur fragen: Wie sieht sie aus? Sondern vor allem: Was treibt sie an?
Tipp: Ich habe mir angewöhnt beim Entwickeln von Protagonisten - aber auch Nebenfiguren – abends vor dem Schlafen innere Monologe mit ihnen zu führen. Ich stelle mir eine passende Situation vor. Zum Beispiel auf einem Schiff oder in einem Wald. Je nachdem, wo der Charakter gerade reinpasst. Ich unterhalte mich mit ihm, lerne ihn kennen. Was treibt ihn an? Ist er mir Sympathisch? Wie wird er in bestimmten Situationen reagieren?

Aber fangen wir erst einmal mir den wichtigsten Daten deiner Figur an:
• Name und Alter
• Aussehen und körperliche Besonderheiten
• Beruf oder Tätigkeit
• Wohnort und Lebensumstände
• Familie und Beziehungen
• Stärken und Schwächen
• Vorlieben und Abneigungen
Interessant wird deine Figur erst mit den Fragen darunter:
Was will sie unbedingt?
Wovor hat sie Angst?
Was würde sie niemals tun?
Was bereut sie?
Was verheimlicht sie vor anderen?
Was verheimlicht sie vielleicht sogar vor sich selbst?
Und dann kommt eine besonders wichtige Frage:
Was braucht deine Figur – und was glaubt sie zu brauchen?
Hier entstehen die spannendsten Charaktere, die deine Geschichte zum leben erwecken und den Leser fesseln.
Ein verbitterter Mann glaubt beispielsweise, er brauche endlich Anerkennung. Tatsächlich braucht er jemanden, der ihm verzeiht.
Gib deinem Charakter einen Widerspruch
Menschen sind selten logisch. Deine Figuren sollten es ebenfalls nicht sein. Menschen werden von Ängsten und Wünschen getrieben. Sie verleiten Ängste sie dazu Dinge zu tun, die eigentlich Widersprüchlich sind, sie aber beruhigen.
Der mutige Polizist hat panische Angst vor Mäusen.
Die selbstbewusste Geschäftsfrau kann nicht „Nein“ sagen.
Der hilfsbereite Nachbar hasst Menschen.
Der überzeugte Lügner ist bei seinen Kindern vollkommen ehrlich.
Solche Widersprüche machen Figuren glaubwürdig.
Entwickle eine Vergangenheit
Du musst nicht jede Einzelheit der Vergangenheit in deiner Geschichte erzählen. Aber du als Autor solltest sie kennen um das Bild deines Charakters in deinem Kopf entstehen zu lassen-.
Was war der wichtigste Moment im Leben deiner Figur?
Vielleicht wurde sie als Kind verlassen. Vielleicht hat sie jemanden sterben sehen. Vielleicht hat sie einmal eine Entscheidung getroffen, die sie bis heute bereut.
Diese Vergangenheit sollte Auswirkungen auf ihr Verhalten in der Gegenwart haben.
Denn genau hier beginnt eine Figur zu leben:
Vergangenheit → prägt die Persönlichkeit → beeinflusst Entscheidungen → erzeugt Konflikte.
Lass die Figur handeln
Der wichtigste Schritt kommt schließlich beim Schreiben selbst.
Beschreibe nicht ständig, wie deine Figur ist. Zeige es.
Statt:
„Paul war ein misstrauischer Mensch.“
besser:
„Paul nahm den Schlüssel entgegen, betrachtete ihn von beiden Seiten und steckte ihn erst ein, nachdem er dreimal gefragt hatte, woher er stammte.“
Jetzt muss der Leser nicht mehr glauben, dass Paul misstrauisch ist. Er erlebt es.
Und genau das ist das Ziel einer guten Charakterentwicklung:
Der Leser soll irgendwann das Gefühl bekommen, dass deine Figur nicht mehr das tut, was du als Autor von ihr verlangst, sondern das, was sie selbst tun würde.

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